No party for Deutschland!

Am 3. Oktober ist es mal wieder soweit:
Die Feiern zum “Tag der Deutschen Einheit” werden landesweit zelebriert.
Zunächst scheint es kontrovers, warum dies an einem Tag geschieht, der historisch im Gegensatz zum 9. November eine unbedeutende Rolle bei der Wiedervereinigung zwischen der DDR und der BRD spielt. Doch wenn mensch darüber nachdenkt, was am 9. November 1938 geschah, wird schnell klar, dass dies der Flucht vor der Aufarbeitung deutscher Geschichte dient – Denn am 9. November 1938 fand die Reichspogromnacht statt. Dieses Datum würde es den Deutschen also leider erschweren, ihr geliebtes Land zu feiern, ohne sich mit deutschem Rassismus und Antisemitismus auseinanderzusetzen – Themen, mit denen sich weder der Staatsapparat noch der Großteil der Bevölkerung ausreichend auseinandersetzt.
Gerade im Kontext der Wiedervereinigung und dem damit einhergehenden aufflammenden Nationalismus, welcher sich eben völkisch definiert und in den Pogromen von Hoyerswerda, Mölln und Rostock-Lichtenhagen widerspiegelte, sind diese Themen weiterhin aktuell.
Wir machen nicht mit bei der Bockwurstparty!
Warum?
Ein rassistisches Abstammungsprinzip, Antisemitismus und ein Homogenitätsideal sind seit jeher im deutschen Nationalismus verankert. Die Ausartung dieser völkischen Prinzipien findet mensch im industriellen Massenmord der Nationalsozialist_innen wieder. Im auf den Nationalsozialismus folgenden Nationalismus gilt es seit jeher diese Ausartung zu rationalisieren, dies geschieht durch den Vergleich mit anderen Verbrechen oder der typischen Aussage, dass Mensch endlich einen Schlussstrich setzen solle. Intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema?! – Fehlanzeige! Wenn dieses einmal angesprochen wird dann nur, um es herunter zu spielen wie beschrieben. Die Tabuisierung solcher Themen in der deutschen Gesellschaft kann nicht als Aufarbeitung gesehen werden, sie trägt eher dazu bei, einem verdeckten Antisemitismus und Rassismus neu aufflammen zu lassen, welcher sich in den Menschen aufstaut und schlussendlich in den Pogromen von Hoyerswerda und Rostock zum Ausdruck kommt. Auch die rassistische Hetze gegen das Asylantenheim in Wolgast* macht aufmerksam auf die sogenannten deutschen Zustände. Hier wurde mitten in der Idylle ostdeutscher Plattenbauten ein Asylantenheim gebaut. Dies passt der stolzen deutschen Arbeiterklasse überhaupt nicht und plötzlich wird der Hass der hier immer noch in der Gesellschaft steckt deutlich. Asylsuchende werden bedroht und diskriminiert, aus Häusern hört mensch rechtsradikale Rockmusik und der hilflose Bürgermeister hofft dass sich hier kein Pogrom wie in Rostock/Lichtenhagen wiederholt. Angesichts der ostdeutschen “Wutbürger_innen”, welche offen ihre rechtsradikale Meinung zu dem Thema kundtun und der ebenfalls gegenüber Asylsuchenden verkündeten Pläne das Asylantenheim niederzubrennen scheint dies sicherlich nicht unwahrscheinlich. Dass die Asylsuchenden in dieses Land vor Kriegen und Krisen flüchten mussten interessiert hier gar keinen, soziales Mitgefühl kann Mensch hier lange suchen.

Mensch kann Nationalismus nicht von der Geschichte trennen und so bleibt besonders der deutsche Nationalismus, in dem sich nicht mit gesellschaftlichen und geschichtlich relevanten Ausgrenzungsmechanismen auseinandergesetzt wird, anzugreifen und zu verabscheuen!

*http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/media/panoramadrei227.html

Deutschland? Platzverweis!

Als erster richtiger Text auf unserem Blog, hier der (etwas) ältere Beitrag von uns zur EM 2012_

Es ist mal wieder so weit. Die Fußball Europameisterschaft muss als Identifikationsobjekt für die deutsche Volksgemeinschaft herhalten, das ganze Land ist in ein Fahnenmeer aus schwarz, rot, gold eingetaucht und Mensch hat endlich wieder eine Projektionsfläche gefunden, um seinen „unverkrampften Patriotismus“ in Form von Partynationalismus auszuleben. Um Fußball geht es dabei längst nicht mehr, wenn der alkoholisierte Mob im nationalistisch -eklen Taumel mit „Deutschland über alles“ Rufen durch die Innenstadt zieht oder auf der offiziellen DFB Seite offener Rassismus mit einer „gesundem Portion Nationalstolz“ relativiert und gleichzeitig abgetan wird. Laut einer Studie hat ein bemerkenswerter Anteil der befragten Personen nach einer WM/EM nationalistisches Bewusstsein entwickelt und die ausländerfeindlichen und ausgrenzenden Übergriffe steigen gravierend, wo hingegen sich die These, „dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt“ als falsch herausgestellt hatte. Die Kontinuitäten von Patriotismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit hängen zusammen und gehen oftmals ineinander über.

Durch das Schwenken „nationaler Symbole“ oder sonstigem Produzieren von Nationalismus wird eine kollektivistische (Volks)Gemeinschaft, also ein „wir“, imaginiert und ein ein (außenstehendes) „ihr“ konstruiert, also ausgegrenzt und gleichzeitig eine Identität mit dem (eigenen) gesellschaftlichen Gesamtkonstrukt von Staat, Nation und Kapital herbeigeführt.

Die Aufgabe des bürgerlichen Nationalstaates besteht in erster Linie darin, die kapitalistische Produktion aufrecht zu erhalten, das heißt auch der demokratische Nationalstaat ist ein Instrument zur Vertretung der Interessen einer kleinen Minderheit und im Umkehrschluss dann zur Unterdrückung der Mehrheit. Ob gewollt oder ungewollt wird nicht nur ausgegrenzt, sondern sich auch positiv auf den Nationalstaat und das gesamtgesellschaftliche Konstrukt bezogen.

Nationalismus verblendet also, indem die allgegenwärtigen Zustände ignoriert oder beschönigt werden, grenzt aus und stärkt fremdenfeindliche Ressentiments.

Der deutsche Nationalismus speziell entstand aus der ablehnenden Haltung gegen die napoleonische Besatzung heraus und richtete sich von Anfang an gegen einen „äußeren Feind“. Zu der anfänglichen Frankophobie, kam später noch Antisemitismus und Antiamerikanismus dazu, was sich als bezeichnende Kontinuitätslinie für (einen Großteil) deutscher Nationalist_innen bis heute bewährt hat. Die Grundlage und gleichzeitig auch die Besonderheit dafür bildet das völkische Verständnis von Nation, dass heißt „deutsch“ wurde nicht über die Gesamtheit aller Staatsbürger, sondern über eine kulturelle Einheit, beeinflusst durch Sprache,Glaube und Ethnien, definiert. Dieser spezifische „Blut und Boden“-Nationalismus ist längst nicht mehr nur in Deutschland zu finden, führte aber hier in seiner gravierendsten und widerlichsten Form mitunter zur Vernichtungspolitik gegenüber Jüdinnen und Juden, was diesen einmalig macht, und weswegen wir uns gegen eine Besondere Form des deutschen Nationalismus, bzw. der Blut und Boden Ideologie wenden.

„Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hier mit der Illusion, über die Nationalität und über alle wirklichen Interessen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen auf wirklichen Interessen offen eingestehen.“
Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie

Wir rufen zu jeglichen Formen auf die EM zu sabotieren, dem pöbelnden und empörten deutschen Mob mit zahlreichen Aktionen entgegenzusetzen und der Nation eine Absage zu erteilen.

Love Football Hate Germany!

Basta – Linke Jugend

20 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen!

Wir, Basta! – Linke Jugend sind zusammen mit den andern antifaschistischen Gruppen aus Lübeck nach Rostock-Lichtenhagen gefahren.
Wir haben uns gemeinsam mit den Genossen_innen aus Hamburg und Kiel auf den Neun Markt begeben und dort an der Kundgebung „Das Problem heißt Rassismus“ teilgenommen. Nachmittags ging es mit der S-Bahn nach Lütten-Klein, wo mehrere Redebeiträge gehalten wurden, bevor sich der Demonstrationszug mit einigen Zwischenkundgebungen in Richtung Rostock-Lichtenhagen zum Sonnenblumenhaus lautstark in Bewegung setzte.
Die Demonstration verlief größtenteils friedlich, sowohl von Seiten der Bullen, als auch von Seiten der Teilnehmer aus. Trotz des Großaufgebots der Bullen hielten diese sich im Hintergrund auf.
Die Bewohner_innen Lichtenhagens störten sich augenscheinlich an der Demonstration und beobachteten diese überwiegend von ihren Balkonen aus. Trotz der Anschläge vor 20 Jahren ist es sehr beliebt, seine Nationalität in Form von Nationaltrikots und Fahnen mit Stolz zu präsentieren.
Insgesamt fanden wir die Demonstration angemessen.
Trotz dessen zeigte sich, dass die deutsche Staatsmacht immer noch Rassismus in sich trägt, wie sich an dem Beispiel des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. zeigt. Dessen Mitgliedern wurde, obwohl sie eine vom Oberbürgermeister unterzeichnete Einladung besaßen der Zutritt zur Veranstaltung, an der auch Gauck teilnahm, verwehrt. Dies geschah augenscheinlich allein aufgrund ihrer Hautfarbe. (Video unter dem Text)

Basta! – Linke Jugend