Deutschland? Platzverweis!

Als erster richtiger Text auf unserem Blog, hier der (etwas) ältere Beitrag von uns zur EM 2012_

Es ist mal wieder so weit. Die Fußball Europameisterschaft muss als Identifikationsobjekt für die deutsche Volksgemeinschaft herhalten, das ganze Land ist in ein Fahnenmeer aus schwarz, rot, gold eingetaucht und Mensch hat endlich wieder eine Projektionsfläche gefunden, um seinen „unverkrampften Patriotismus“ in Form von Partynationalismus auszuleben. Um Fußball geht es dabei längst nicht mehr, wenn der alkoholisierte Mob im nationalistisch -eklen Taumel mit „Deutschland über alles“ Rufen durch die Innenstadt zieht oder auf der offiziellen DFB Seite offener Rassismus mit einer „gesundem Portion Nationalstolz“ relativiert und gleichzeitig abgetan wird. Laut einer Studie hat ein bemerkenswerter Anteil der befragten Personen nach einer WM/EM nationalistisches Bewusstsein entwickelt und die ausländerfeindlichen und ausgrenzenden Übergriffe steigen gravierend, wo hingegen sich die These, „dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt“ als falsch herausgestellt hatte. Die Kontinuitäten von Patriotismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit hängen zusammen und gehen oftmals ineinander über.

Durch das Schwenken „nationaler Symbole“ oder sonstigem Produzieren von Nationalismus wird eine kollektivistische (Volks)Gemeinschaft, also ein „wir“, imaginiert und ein ein (außenstehendes) „ihr“ konstruiert, also ausgegrenzt und gleichzeitig eine Identität mit dem (eigenen) gesellschaftlichen Gesamtkonstrukt von Staat, Nation und Kapital herbeigeführt.

Die Aufgabe des bürgerlichen Nationalstaates besteht in erster Linie darin, die kapitalistische Produktion aufrecht zu erhalten, das heißt auch der demokratische Nationalstaat ist ein Instrument zur Vertretung der Interessen einer kleinen Minderheit und im Umkehrschluss dann zur Unterdrückung der Mehrheit. Ob gewollt oder ungewollt wird nicht nur ausgegrenzt, sondern sich auch positiv auf den Nationalstaat und das gesamtgesellschaftliche Konstrukt bezogen.

Nationalismus verblendet also, indem die allgegenwärtigen Zustände ignoriert oder beschönigt werden, grenzt aus und stärkt fremdenfeindliche Ressentiments.

Der deutsche Nationalismus speziell entstand aus der ablehnenden Haltung gegen die napoleonische Besatzung heraus und richtete sich von Anfang an gegen einen „äußeren Feind“. Zu der anfänglichen Frankophobie, kam später noch Antisemitismus und Antiamerikanismus dazu, was sich als bezeichnende Kontinuitätslinie für (einen Großteil) deutscher Nationalist_innen bis heute bewährt hat. Die Grundlage und gleichzeitig auch die Besonderheit dafür bildet das völkische Verständnis von Nation, dass heißt „deutsch“ wurde nicht über die Gesamtheit aller Staatsbürger, sondern über eine kulturelle Einheit, beeinflusst durch Sprache,Glaube und Ethnien, definiert. Dieser spezifische „Blut und Boden“-Nationalismus ist längst nicht mehr nur in Deutschland zu finden, führte aber hier in seiner gravierendsten und widerlichsten Form mitunter zur Vernichtungspolitik gegenüber Jüdinnen und Juden, was diesen einmalig macht, und weswegen wir uns gegen eine Besondere Form des deutschen Nationalismus, bzw. der Blut und Boden Ideologie wenden.

„Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hier mit der Illusion, über die Nationalität und über alle wirklichen Interessen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen auf wirklichen Interessen offen eingestehen.“
Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie

Wir rufen zu jeglichen Formen auf die EM zu sabotieren, dem pöbelnden und empörten deutschen Mob mit zahlreichen Aktionen entgegenzusetzen und der Nation eine Absage zu erteilen.

Love Football Hate Germany!

Basta – Linke Jugend